Buddhismus I

Er ist wirklich nicht umumstritten, der Film „Little Buddha“ von Bernardo Bertolucci aus dem Jahr 1993.

Das „Lexikon des internationalen Films“ urteilt: „Als Monumentalfilm angelegter naiver Bilderbogen mit offensichtlichen Missionierungsabsichten, dessen einfache lineare Geschichte immer wieder mit „Rückblenden“ ins Leben des Prinzen Siddharta, dem als erstem Erleuchtung zuteil ward, unterbrochen wird. Ein teurer, aber kunstgewerblerisch anmutender Film, dessen Personen unzureichend entwickelt sind.“
(http://www.kabeleins.de/filmlexikon/yy/filmlexikon/yy/filmnr/55141)

Der Rahmenplan Ethik in Berlin hat im „Themenfeld 6“ (Wissen, Hoffen und Galuben) die Fragen „Woran kann ich glauben? – Was glauben die anderen? – Was kommt nach dem
Tod?“ Mögliche Themen sind dann: „Feste, Rituale und Tabus der Weltreligionen –  Jenseitsvorstellungen – Erlösung und ewige Wiedergeburt“.
Ich zitiere aus der Einleitung zu Themenfeld 6: „Die Erfahrung eines Menschen, sein Denken, seine Weltdeutung und seine Interpretation der Lebenszusammenhänge sind kulturell bestimmt.
Der Mensch sucht nach einer objektiven Erkenntnis der Zusammenhänge, in denen er
lebt. Dabei stößt er an Grenzen seiner Erkenntnis und seines Wissens, insbesondere
wenn es um existentielle Fragen geht.
Im Hoffen überschreitet der Mensch den Bereich des Wissens und setzt auf einen
glücklichen Verlauf und einen guten Ausgang der Dinge. Die Hoffnung gibt dem Menschen Kraft, schwierige Lebenslagen zu bestehen.
Im Glauben sucht der Mensch nach einem Sinn in allem Geschehen. Viele gewinnen
so auch eine sichere Grundlage für ihre Lebensführung. Da sich religiöse Überzeugungen
einer für jeden gültigen Bewertung entziehen, besteht die Gefahr des Dogmatismus
und der Intoleranz. Ihr muss man mit Aufklärung, vertieftem Verständnis und Entschiedenheit im Geist der Toleranz begegnen. Voraussetzung hierfür ist die angemessene Kenntnis der Weltreligionen und der religionskritischen humanistischen Weltanschauungen.
(Zitate nach: http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulorganisation/lehrplaene/sek1_ethik.pdf?start&ts=1150100845&file=sek1_ethik.pdf)

Ob man damit als Religionslehrer so gut klarkommt, mag hier einmal dahin gestellt bleiben. „Little Buddha“ wird in Fortbildungen für Ethiklehrer offenbar empfohlen.
(vgl. http://www.google.de/url?sa=t&source=web&cd=11&ved=0CB4QFjAAOAo&url=http%3A%2F%2Fhcog.be.schule.de%2Ffaecher%2FEthik%2Fmaterialien%2FTipps%2520
Materialien%2520Schj.08-09.doc&rct=j&q=Little%20Buddha%20Ethik%20Berlin&ei=_5lsTu_CC8yL4gS7t4jZBA&usg=AFQjCNFr6HEavo0ZaSpAQA-rOVdgOhoRfw&cad=rja
).

Ich habe „Little Buddha“ selbst auch schon im ev. Religionsunterricht eingesetzt. Kurz zum Inhalt: Um die Reinkarnation seines großen Lehrmeisters Lama Dorje zu finden, bricht der kranke Lama Norbu auf und findet in Seattle den Jungen Jesse Conrad. Während Jesse dem Buddhismus neugierig begegnet, breitet sich bei den Eltern Dean und Lisa Conrad Skepsis aus. Sie glauben nicht an die Reinkarnationslehre. Die Mönche eröffnen dem Vater, dass zwei weitere Kinder als Reinkarnation in Frage kommen und die Frage nur eindeutig in Bhutan zu klären sei, weshalb der Junge dahin reisen müsste. Dean lehnt dies ab, verlässt den Tempel und fährt mit Jesse nach Hause. Auf dem Weg erfährt er telefonisch, dass sein Freund und Arbeitskollege Evan gestorben ist. Er überdenkt seine Position und entscheidet mit seiner Frau, dass er nun mit Jesse nach Bhutan reisen wolle. Bei ihrem Zwischenstopp in Nepal lernen sie auch die anderen Kandidaten, den Jungen Raju und das Mädchen Gita, kennen.
In der bhutanischen Klosterfestung Paro angekommen müssen die Kinder in einem Test den Hut des verstorbenen Lamas finden. Es stellt sich heraus, dass alle drei Kinder die Wiedergeburt von Lama Dorje sind. Sein Körper (Raju), seine Stimme (Gita) und sein Geist (Jesse) sind, laut Norbu, nur gemeinsam eine Einheit. Nachdem Lama Norbu diese letzte Aufgabe erfüllt hat, trennt er sich von seinen wenigen Habseligkeiten und zieht sich zur Meditation zurück, während der er friedlich stirbt. Sein Körper wird verbrannt und die Kinder gehen wieder in ihre Heimat zurück, wo sie den ihnen mitgegebenen Teil der Asche verstreuen.
In stetem Wechsel mit der Rahmenhandlung des Filmes erzählt Lama Norbu die überlieferte Lebensgeschichte des Prinzen Siddharta Gautama von seiner mythischen Geburt bis zur Erleuchtung als Buddha. (nach Wikipedia)

Es gibt im Film also zwei Ebenen, die eine ist die Geschichte der Suche nach der Reinkarnation des Lama in USA, Nepal und Indien, die andere ist die der Tradition, der Erzählung der Lebensgeschichte des Prinen Siddharta, der der Buddha wird.

Für die unterrichtliche Bearbeitung bin ich neulich auf eine englischsprachige Seite gestoßen.  Sie heißt „Film Education“ und ist ein kostenloser Sevice der britischen Filmindustrie. Dort kann ein ausführlicher „study guide“, eine Art Unterrichtsentwurf, als pdf-Datei heruntergeladen werden.
(www.filmeducation.org/pdf/film/LittleBuddha.pdf)
Ich habe Teile des study guides ins Deutsche übersetzt und setze sie im Unterricht ein. Leider kann ich das hier aus Urheberrechtsgründen nicht einfach veröffentlichen. Ich werde bei „Film education“ aber um Erlaubnis fragen. Um einen kleinen Eindruck zu geben, wie der study guide an den Film herangeht, hier das Zitat des Schauspielers Sogyal Rinpoche, der im Film den Mönch Kenpo Tenzin spielt und auch selber buddhistischer Mönch ist: „Our society is dedicated almost entirely to the celebration of the ego, with all its sad fantasies about success and power, and it celebrates those forces of greed and ignorance which are destroying the planet.“ Die im Film vermittelten Inhalte des Buddhismus werden zur Anfrage an  Glaubensvorstellungen und Lebenskonzeptionen der Jugendlichen in der Schule. Ich habe damit in Mittelstufenklassen lebendige Diskussionen erlebt. Freilich würde ich nicht gleich mit dem Instrumentarium der Religionskritik an die Sache herangehen, auch wenn das natürlich auch ein Thema ist („Wellness-Religionen“). Ich halte es da eher mit Gandhi, der in allen Religionen Wahrheiten fand.
Eine Kooperation mit dem Fach Ethik habe ich mit diesem Thema noch nicht probiert – aber es könnte interessant werden.

(Quelle: wikimedia commons, Luca Galuzzi)


Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Mittelstufe abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s