Seminarkurs „Geschichte Israels“ II

Die Anfänge der Geschichte Israels

Wo fängt man an, wenn man nach den Ursprüngen des Israel-Palästina-Konflikts zurückfragen will?

Das Jahr der Wiedergründung des Staates Israel 1948 greift klar zu kurz, denn dieser Beschluss der Vereinten Nationen hatte eine Vorgeschichte, war ein Ergebnis des 2. Weltkriegs. Palästina war britisches Protektorat gewesen, es war nicht menschenleer. Die Hoffnung auf ein friedliches Nebeneinander  von Palästinensern und Israelis erfüllte sich nicht.

Aber natürlich ist die Einrichtung des modernen Staates Israel auch nicht nur mit dem Holocaust zu erklären. Bereits ab dem Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine zionistische Bewegung, besonders verbunden mit dem Namen Theodor Herzl, die eine „Heimstätte des jüdischen Volkes“ in Palästina schaffen wollte. Motivation für Herzl und seine Bewegung war wiederum die Erfahrung von Ausgrenzung, Unterdrückung und Verfolgung, die die Juden in Europa seit dem Mittelalter erfahren hatten und die nicht  enden zu wollen schienen. Die Geschichte des Judentums im Europa des Mittelalters ist eine stationen- und detailreiche Abfolge von wenigen Höhen und vielen Tiefen, viel Leid. Diese Geschichte geht uns an, weil sie im christlich geprägten Europa stattfand. Sie geht uns an, weil auch die christlichen Reformatoren zum Judentum ein höchst problematisches Verhältnis hatten.

Die mittelalterliche Geschichte des Judentums ist eine Geschichte der Diaspora, denn die Niederschlagung des Bar-Kochbar-Aufstands von 132 bis 135 n.Chr. führte zur Zerstörung der letzten Reste eines größeren geschlossenen jüdischen Siedlungsgebiets in der römischen Provinz Judäa und ist der Beginn der Diaspora-Situation des Judentums, die bis ins 20. Jahrhundert  Bestand behalten hat.

Mit der endgültigen Unterwerfung durch die Römer endet ein jahrhundertelanger Kampf um die staatliche Existenz des jüdischen Volkes. Im Mittelpunkt der Einflusssphären der Großmächte der damaligen Zeit hatte es eine wechselvolle Geschichte von Kämpfen und Eroberungen gegeben, die nach den großartigen Anfängen, nach der Blütezeit unter David und Salomon, nur als fortschreitender Zerfall und Niedergang beschrieben werden kann.

Des ungeachtet gehört es nach übereinstimmender Meinung aller Theologen, christlicher aller Richtungen und jüdischer,  und aller Geschichtswissenschaftler zum absoluten Kernbestand des Selbstbewusstseins des Volkes Israels zu allen Zeiten – auch in der Diaspora – , dass das Land (erez jisrael) dem Volk von Gott zu eigen gegeben worden ist für alle Zeit.

Das Land ist ein Geschenk Gottes. Es ist nicht etwa ein Erbe von den Vorvätern, wie das sogenannte „kleine geschichtliche Credo“ (Gerhard v. Rad) Dtn. 26, 5-8 zeigt. Der biblische Text lautet so:

„5b Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenig Leuten und wurde dort ein großes, starkes und zahlreiches Volk. 6 Aber die Ägypter behandelten uns schlecht und bedrückten uns und legten uns einen harten Dienst auf. 7 Da schrien wir zu dem HERRN, dem Gott unserer Väter. Und der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not 8 und führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm und mit großem Schrecken, durch Zeichen und Wunder, 9 und brachte uns an diese Stätte und gab uns dies Land, darin Milch und Honig fließt.“

Um nach den Ursprüngen des Israel-Palästina-Konflikts zu fragen, suchen wir auch nach den Wurzeln und der Geschichte Abrahams im 1. Buch Mose, weil sie grundlegend für das Selbstverständnis Israels sind –  für das der Moslems auch.

Abraham (Fresko in der Synagoge von Dura Europos; 3. Jh.

Abraham (Fresko in der Synagoge von Dura Europos; 3. Jh.)

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