Seminarkurs „Geschichte Israels“ III

Lech lecha: Ein Volk auf Wanderschaft

„Am Anfang war die Wanderschaft. Die ersten Menschen, Adam und Eva, werden aus Eden, dem Paradies, verbannt. Der Begründer des Monotheismus, Abraham, folgt Gottes Befehl «Lech lecha» («Geh hinweg») und begibt sich auf die Wanderschaft von seiner Heimat Ur in Mesopotamien in das Land Kanaan, von dem sein Urenkel Josef wiederum nach Ägypten ziehen wird. Viele Generationen später führt Mose die Juden zurück in die ihnen zugewiesene Heimat, in jenes Land, das nunmehr den gleichen Namen erhalten wird wie das Volk selbst, den Namen Israel, den zweiten Namen von Abrahams Enkel Jakob.
So zumindest erzählt es uns die Hebräische Bibel […].“
Quelle: (Michael Brenner, Kleine Jüdische Geschichte, Verlag C.H. Beck, München 2008, S.13)

Jener Befehl Gottes „Lech lecha!“ wird wiedergegeben im 1. Buch Mose (Genesis/Bereschit).

Lies 1. Mose (Genesis), 11,27 – 12,10.

Fruchtbarer Halbmond

Der fruchtbare Halbmond

Quelle: Peter Ortag, Jüdische Kultur und Geschichte, Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung 1995. 5., aktualisierte Auflage 2003. Online-Fassung. http://www.politische-bildung-brandenburg.de/sites/default/files/downloads/juedische_kultur_und_geschichte.pdf

Verfolge den Weg Abrahams von Ur nach Ägypten in der Karte

„Fruchtbarer Halbmond“ (fertile crescent) wird dieser Bogen Kulturlandschaft genannt, welcher sich von Elam im Osten über Assyrien im Norden bis nach Ägypten im Westen spannt. Um dieses fruchtbare Gebiet wurde Jahrtausende lang gestritten und gekämpft.

Ansässige Völker hatten sich mit vordringenden Nomaden auseinanderzusetzen, an Nil, Euphrat und Tigris wuchsen immer wieder Großreiche empor, die alle versuchten, dieses Gebiet unter ihre Kontrolle zu bekommen. Alle kleineren Völker, die in jenem Spannungsfeld lebten, hatten unter diesem Kommen und Gehen der Großmächte zu leiden. Die dramatischsten Ereignisse spielten sich dabei im südlichen Syrien, in der Heimat der Israeliten ab. Unmittelbar am Schnittpunkt der Kontinente Asien und Afrika gelegen und durchzogen von wichtigen Handelsstraßen, war dieser Landstrich von größtem wirtschaftlichem und strategischem Wert.
(Quelle: ebd, S. 57)

Es gibt eine genügende Zahl geschichtlicher Dokumente die von diesen Kämpfen berichten. Aber Informationen über die älteste Geschichte Israels liegen fast ausschließlich in Form biblischer Texte vor. Wie verlässlich sind die ?

Der Autor des einleitenden Textes bewertet das am Beginn seines Buches „Kleine jüdische Geschichte“ so:

„Es war […]  nicht die Absicht der [biblischen] Autoren, die historischen Vorgänge möglichst authentisch zu beschreiben. Sie stellen vielmehr ihre theologische Interpretation in den Mittelpunkt. Wann man begann, sich Legenden wie die erwähnten Wanderungen zu erzählen, ist ebenso wenig  bekannt wie das genaue Datum ihrer Niederschrift. Der Kern der historischen Überlieferung geht zweifellos auf die Zeit der Königtümer Israel und Juda zurück, ihre endgültige Form erhielten die Bücher der hebräischen Bibel erst in persischer und hellenistischer Zeit.“
(Michael Brenner, a.a.O., S. 13f.)

Wenn wir uns also mit dem Beginn und der ersten Zeit der Geschichte Israels beschäftigen, sind wir zunächst im Bereiche von Mythen und Legenden. Gleichzeitig bestimmen die aber das Denken Israels und des Judentums durch die Jahrhunderte bis heute, denn es sind Glaubenstexte, Bewusstsein bildende Traditionen.

Eines der stärksten Beispiele für diesen „Doppelcharakter“ biblischer Texte ist das so genannte „Kleine geschichtliche Credo“ aus dem 5. Buch Mose (Deuteronomium) 26,5-9.

‚Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten …‘ “

Lies 5. Mose 26, 5-9 und die Umgebung dieses Textes.

Bei welcher (jährlich wiederkehrenden) Gelegenheit sollte dieser Text gesprochen werden?

Diskutiert, was der Abschnitt über das Verständnis Israels über seine „Herkunft“ aussagt.

Eine Haggada aus Mantua (1560) zeigt unter Anspielung auf eine Textpassage aus Josua 24,2 („Eure Väter wohnten in früheren Zeiten jenseits des Flusses“), wie Abraham in einer Gondel einen Fluss überquert. Das Bild spielt damit auf die Ursprünge der Patriarchen in Mesopotamien und auf die lange Geschichte der Wanderschaften an.

(aus: Michael Brenner, a.a.O., S. 12)

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Eine Antwort zu Seminarkurs „Geschichte Israels“ III

  1. Bernd Riedel schreibt:

    Einfach gut durchdacht. Bin sehr interessiert daran, was im Reli-Unterricht heute passiert. Ich bin nämlich bereits 74 und noch immer an der Bibel, an meinem Glauben.
    Außerdem bin ich bei der Beschäftigung mit der Entwicklung der Menschheit im Orient angekommen. Und natürlich frage ich dabei: irgendwo muss doch die Abrahamsgeschichte sich widerspiegeln.
    Ich werde Euch weiterhin „heimsuchen“….
    Herzliche Grüße

    Bernd Riedel

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