Der Zwölfstämmebund (Seminarkurs „Geschichte Israels IV“)

In der Erinnerung Israels ist die Geschichte des Volkes seit Beginn die einer Wanderschaft. Ganz in der Tradition der Kultur von Kleinviehnomaden wird einerseits der Ursprung der Stämme und Sippen bis nach Ur in Chaldäa zurückverfolgt, von wo die Abraham-Sippe nach der Überlieferung aufbricht. Der zweite Traditionsstrang ist die Erzählung vom Frondienst in Ägypten. Die Exodus-Tradition, die Geschichte von der Herausführung aus Ägypten und der Befreiung von der Knechtschaft unter der Führung Jahwes wird zum zentralen, Identität stiftenden Heilsereignis.

Ursprünglich war der Name Jahwes nicht mit diesen in Ägypten befindlichen und dann von dort kommenden Stämmen verbunden. So sagt es uns die Religionswissenschaft entgegen der religiösen Darstellung in der Bibel und der Theologie Israels. Die Stämme, die später Israel bildeten, verehrten ursprünglich unterschiedliche Gottheiten, die Götter der „Väter“. Jahwe wird erst nachträglich mit den – unterschiedlichen – Überlieferungen von den Vätergottheiten verbunden. Jahwe war zunächst ein Lokalgott am Sinai, eine Berg- und Vulkangottheit.

Man kann nicht mehr genau sagen, wie aus diesem Lokalgott namens Jahwe der Geschichtsgott Jahwe geworden ist. Es ist aber sicher ein Verschmelzungsprozess von Traditionen und Geschichten. Damit ist die Ablehnung des Polytheismus verbunden, die Einführung der Monolatrie und die Abrenuntiation (Ablehnung, Verdammung) parallel existierender Götter anderer Stämme und Völker in der Umgebung.

Dieser Vorgang setzt den Zusammenschluss der verschiedenen Stämme zu einem sakralen Verband voraus. Darauf spielt Jos. 24 (Landtag zu Sichem) an. Nach Abschluss der Landnahme wird ein Stämmeverbund ins Leben gerufen.

Das Besondere ist in diesem Fall, dass es zwar eine zentrale sakrale, aber keine zentrale politische Institution gibt. Offenbar handelt es sich um einen lockeren Stämmeverbund, dessen Mitglieder sich regelmäßig zu religiösen Festen trafen. Womöglich hat sich daraus eine gemeinsame Kriegstradition entwickelt. Der gemeinsame Gott wird zum Symbol, zum „Garanten“, des gemeinsamen Kriegsglücks. Nach und nach lässt sich das Verhältnis der Stämme zu ihrem Gott mit dem Stichwort „Bund“ umschreiben. Normalerweise bedeutet das Wort Bund eine vertragliche, zwei- der mehrseitige Übereinkunft gleichrangiger Partner. Nicht so hier. Der Bund Israels mit Jahwe geht von Jahwe aus. Er ist dem Volk treu. Die „Gegenleistung“ ist, dass das Volk ausschließlich nur diesen Gott verehren darf. So fordert es dann auch der Dekalog: „Ich bin der HERR, Dein Gott, der ich Dich aus Ägyptenland herausgeführt habe Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“

Aufgaben: Klären Sie die Begriffe

  • Monolatrie
  • Bund
  • Erwählung

Quelle: wikimedia commons/Janz

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