Giora Feidman in Ueckermünde – wunderschön

Vielen Dank, dass Sie zu uns in die Provinz gekommen sind, habe jemand zu ihm am Eingang gesagt, erzählt Giora Feidman am Beginn seines Konzerts mit seiner Begleitband Gitanes Blondes. Doch warum, fährt er fort, es sind immer Menschen, die ins Konzert kommen, in der Metropolitan Opera in New York oder hier in die St. Marienkirche in Ueckermünde. „Und die Akustik in dieser Kirche ist soo schön!“

Ein Teil der Kunst Feidmans ist sicher seine freundliche, zugewandte Ausstrahlung. Er steht siebenundsiebzigjährig vor dem Konzert eine gute Stunde am Eingang der Kirche und begrüßt die Besucher. Hat man ein Programmheft, signiert er es mit „Shalom“.

In der Kirche, im Konzert, sagt er nach einer Weile, dass vielleicht nur Juden und Deutsche aufgrund der Geschichte ermessen könnten, wie gut und wohltuend es ist, wenn Juden und Deutsche gemeinsam in einer Kirche musizieren und singen.  Er singt „Shalom Chaverim“ und das Publikum singt mit, zögerlich erst, aber schön. Die Kirchenmusikerin der Gemeinde wird sich gefreut haben.

Etwas später spielt Feidman ein Medley aus der deutschen, israelischen und der palästinensischen Nationalhymne, klare, schöne Friedensbotschaft.

Die Kirche bringt nicht nur eine schöne Akustik mit, sondern auch einen Barockaltar, der in einer Gloriole das trinitarische Dreieck zeigt und darin das Tetragramm, den Gottesnamen in hebräischer Sprache: YHWH.svg.

Das sieht man nicht so oft und ich fand, es passte ganz gut. Auf dem Bild, dass ich vor dem Konzert aufgenommen habe, ist das nur ganz schwach zu erkennen, aber ich glaube, es vermittelt einen Eindruck, wie prächtig der Altar ist.

Altar_pk(zum Vergrößern anklicken)

Im Konzert habe ich auch ein Bild gemacht, hier:

Giora Feidman in Ueckermünde(zum Vergrößern anklicken)

Der Abend war nicht nur ernst, sondern „very Klezmer“.  Das Programmheft hatte schon verheißungsvoll gefragt, „wie klingt es, wenn der Grandseigneur der Klezmer-Musik auf die junge Klezmer-Generation trifft“, die Gitanes Blondes aus München repräsentiert? Toll klang es, „mal […] nach dem fernen Indien, mal nach dem Nahen Osten und dann wieder – weltlich lebensnah – nach dem Shtetl in Osteuropa“, sagt das Programmheft, mal klang es auch nach Jazz und Gospel, oft lustig und lebensfroh bis zum Klamauk, wie z.B. beim „Solo des Bassisten“, wo sich nach und nach alle Spieler der Gruppe am Bass zu schaffen machten, bis auf den Akkordeon-Spieler, der sein Instrument virtuos beherrschte, aber der Geige, die der dann spielte, nur einen Ton entlockte: Pling – gezupft.

Basssolo_k(zum Vergrößern anklicken)

Ein paar musikalische Kostproben gibt es auf der Internetseite von Giora Feidman: http://www.giorafeidman-online.com/de/
Dort in der Discographie.

p.s. Die Nationalhymnen von Israel und Palästina gibt es auch im Internet:
Israel: http://www.youtube.com/watch?v=8iYA03_tGZ4
Palästina: http://www.youtube.com/watch?v=74pxKzFRMFU

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