Die Fischerkirche in Ferch

Ein Urlaubsfund: die Fischerkirche in Ferch. Man bekommt den Schlüssel im Museum/Galerie, dann kann man sie in aller Ruhe ansehen. Eine kleine Fachwerkkirche die einst für die Fischer in Ferch am Schwielowsee errichtet worden ist. Der Ort war schon im 19. Jahrhundert ein Domizil für Künstler, und mancher Name, der in der Kunst der Moderne einen Klang hat, taucht hier auf – sein Träger wohnte hier am Ort.

Aber das soll jetzt hier einmal nicht der Gegenstand des Interesses sein, sondern eben die kleine Kirche. Auffällig die blau-weiß bemalte Decke, die den Himmel über dem Schwielowsee trefflich vergegenwärtigt. Dann der Taufengel, der von der Decke herab hängt. Er wurde – und wird – zu Taufen herabgelassen. Eine Besonderheit die Totenkronen, das sind Gedenktafeln für verstorbene Kinder.

DSCN0383kDSCN0389kDSCN0387kDSCN400bkDSCN0393kDSCN0392k

„Die Denkmalgeschützte Dorfkirche in Ferch ist ein in seiner Art besonders gestalteter Kirchenbau, was ihr die Bezeichnung Fischerkirche hat zukommen lassen. Im 17. Jahrhundert (vermutlich nach dem Dreißigjährigen Krieg) wurde sie als schlichte märkische (evangelische) Predigerkirche erbaut.
Auf einer kleinen Bodenerhebung steht aus solidem Holzwerk ein dreiachsiger Fachwerksaal mit polygonalem Chorabschluss und Westturm. Die Holzdecke ist als Tonne gewölbt und hat die Form eines auf dem Kopf liegenden Kahns (Kirchenschiff). Der an der Westseite der Decke sichtbare Auflagebalken des Turms kann als Steuerruder des Kahns gedeutet werden. Die Wolkenbildung über dem Schwielowsee, wie die Fischer sie bei ihrer Arbeit erlebten, dient wohl als Motiv für die Bemalung der Decke und stellt das himmlische Reich Gottes dar. Einige Wolken wurden mit Gesichtern (Darstellung von Engeln) versehen.
Die Einrichtung (Altar, Taufengel, Empore und Gestühl) stammt aus der Bauzeit der Kirche. der im Chorraum stehende Kanzelaltar ist mit einfachen Schnitzereien und Malereien (Christus und die vier Evangelisten) versehen. Kanzel und Schalldeckel hängen zwischen zwei gedrehten Säulen, unter denen die Wappen der Plessower Patronatsfamilien (links Rochow, rechts v. Arnim) eingefügt sind. Der Taufengel könnte als Galionsfigur des Schiffes gedacht sein. Bei Taufen wird er herunter gelassen. So wird das von Gott (von oben) kommende Heil versinnbildlicht. In einer Muschel hält der Engel die Taufschale (Zinn, 1738). Sie ist von einem Handwerksmeister des Ortes gestiftet worden. Die Deckenbeleuchtung im Altarraum stellt den Stern von Bethlehem dar. 
Eine besondere Rarität stellen die an den Emporen angebrachten und etwa kronenförmig gestalteten Totenbretter (Kronenbretter, Totenkronen) dar. Sie wurden von den Angehörigen zur Erinnerung an ihre zumeist im Kindesalter verstorbenen dort angebracht. An Gedenktagen wurde darauf Blumenschmuck gestellt. Die Weisheit der Sprüche darauf passt auch in unsere Zeit.
Geschichte des Totenkronenbrauchtums: Der Tod von Kindern und Jugendlichen wurde in den vergangenen Jahrhunderten – sicher auch wegen der hohen Kindersterblichkeit – als besonders schmerzlich empfunden. Hieraus hatte sich der Brauch beim Ledigenbegräbnis entwickelt: Die Totenkronen und Totenkränze für unverheiratet Verstorbene sowie die zu ihrer Präsentation in der Kirche gefertigten Totenbretter (Kronenbretter). Totenkronen waren im gesamten deutschsprachigen Raum etwa vom 17. Jahrhundert bis teilweise ins 19. Jahrhundert das wichtigste Attribut des als Hochzeit verstanden Begräbnisses ledig Verstorbener beiderlei Geschlechts. Wahrscheinlich wurde der Totenkronenbrauch in allen Städten und Dörfern der Mark Brandenburg gepflegt. Die Totenkrone wurde dabei vornehmlich Säuglingen, Kindern, und jungen Menschen als Ersatz für die zu Lebzeiten entbehrte Brautkrone verehrt. In diesem Brauch lebte die heidnische Totenhochzeit fort, die dem früh Verstorbenen sein Recht auf Vermählung noch im Tod zugestand.  Sie wurde in die christliche Himmelhochzeit überführt, indem man die Kronen als Lohn für tugendhaftes und jungfräuliches Leben verlieh. Sie machten aus den Verstorbenen himmlische Bräute und Bräutigame, die unmittelbar in das Reich Gottes eingingen und dort Fürsprache für ihre Hinterbliebenen nehmen konnten (Literaturquelle: Sylvia Müller, Vergessene Denkmäler der Liebe. Der Totenkronenbrauch in der Mark Brandenburg).
[ … ]
Aus einem Informationsblatt der Kirchengemeinde für Besucher der Kirche.
Advertisements
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s