Barlach, Sansibar, Wicki – Let’s start

Spice_Islander
„Spice Islander“ von sheyneg – Spice Islander. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Spice_Islander.jpg#/media/File:Spice_Islander.jpg
(Szene am Strand von Sansibar)

 

Sansibar – das klingt nach Freiheit, Ferne, Abenteuer. Sansibar, das ist der dritte Grund des Schiffsjungen in Alfred Anderschs gleichnamigen Roman, seinen Heimatort Rerik verlassen zu wollen, weil „es Sansibar gab, Sansibar in der Ferne, Sansibar hinter der offenen See, Sansibar oder den letzten Grund (S. 95)“. – „Erst dann ist man weg, wenn man hinter der offenen See Land erreicht“ (S. 7).

Rahmenplanbezug Religion

„Sansibar“ ist ein ‚existenzialistischer Freiheitsroman‘. Mit dem „lesenden Klosterschüler“ von Ernst Barlach und der Person des Pfarrers Helander ist ein direkter Bezug zu Theologie und Kirche im 20. Jahrhundert vorhanden: „Wie hatte er [i.e. Pfarrer Helander, GG.] sich bisher den Sieg der Anderen [also der Nationalsozialisten, GG.] erklärt? Sehr einfach – Gott war abwesend, er lebte in der größten überhaupt denkbaren Ferne, und die Welt war das Reich des Satans. Die Lehre des großen Kirchenmannes aus der Schweiz [damit dürfte Karl Barth gemeint sein, GG.], der Helander an­hing, war so einfach wie überzeugend. Sie erklärte, warum Gott die Welt als einen schalltoten Raum konstruiert hatte. In einem solchen Raum konnte man Gebete nur für sich selbst sprechen, nur in die eigene Seele hineinflüstern. Kei­nesfalls durfte man sich einbilden, von Gott gehört zu wer­den. Man betete nur, weil man wußte, daß es Gott gab; er weilte zwar in unerreichbarer Ferne, aber es gab ihn, er war nicht etwa tot. …“ (S. 112).

Das Kerncurriculum Sekundarstufe II der EKBO, das für die Inhalte des Religions-unterrichts in der Oberstufe in Berlin verantwortlich ist, verzeichnet unter den Standards des Kompetenzbereichs Anthropologie an erster Stelle „Eigene Erfahrungen und Sicht-weisen vor dem Hintergrund gesellschaftlich und kulturell etablierter Vorstellungen vom Menschen reflektieren und mit philosophischen und anthropologischen Entwürfen, sowie mit der biblischen Tradition vom Menschen als Geschöpf und Ebenbild Gottes in Beziehung bringen“ (S. 18). Insofern ist es selbst für einen Unterricht, der nicht fachübergreifend gedacht reiner Religionsunterricht wäre, unschädlich, dass in Anderschs Roman die ganze Bandbreite existenzialistischer Deutung vorgestellt wird. Unter den „Anregungen für den Unterricht“ finden sich im ‚Kerncurriculum‘ die Stichworte „Der Mensch als Person“ und „Existenzialismus“.
Ein weiterer „Standard“ will dazu anregen „eigene Erfahrungen, natur- und geistes-wissenschaftliche Konzepte von Freiheit kritisch zu reflektieren und zu biblisch-reformatorischen Vorstellungen von Freiheit in Beziehung [zu] setzen“ (S. 19). Die Anregungen für den Unterricht sind in zwei Aspekte aufgeteilt – biblisch und reformatorisch: Aspekt: Biblische Perspektiven. Frage nach Freiheit und Determination in divergierenden biblischen Texten. Aspekt: Reformatorische Perspektiven: Von der Freiheit eines Christenmenschen (Luther). Vom freien und unfreien Willen (Erasmus von Rotterdam und Luther).

Ich möchte den „Pulsar“ ‚Sansibar …‘ zunächst in das Rahmenplanthema „Anthropologie“ einsortieren und im Grundkurs erproben. (Im Leistungskurs soll es im ersten Jahr der Qualifizierungsphase zunächst um einen orientierenden Durchgang durch die fünf Rahmenplanthemen gehen, wobei die Unterrichtsreihe dann in einer aus der Erprobung im Grundkurs evaluierten Fassung zur Verfügung steht).

Wird fortgesetzt.

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