Barlach, Sansibar, Wicki – Bezug Rahmenplan Geschichte (1)

Der „Schwebende“ und der „lesende Klosterschüler“ sind sozusagen das Bindeglied zwischen vielen Aspekten der Unterrichtsreihe „Sansibar, Barlach, Wicki“. Die Figur des Klosterschülers in Anderschs Roman hat ein historisches Vorbild in der Geschichte des „Schwebenden“ von Ernst Barlach.

Summarisch ist das schnell erzählt. Der „Schwebende“ – oder das „Güstrower Ehrenmal“ – ist eine Bronzeskulptur, die Barlach 1927 für den Güstrower Dom geschaffen hat. Es ist die zweite große Arbeit, in der sich Barlach mit dem Thema der Ehrenmale für die Gefallenen des 1. Weltkrieges befasst.

Der „Engel“ – oder der „Schwebende“ – war in Güstrow umstritten. Man erzählt sich dort, dass er im Volksmund „der fliegende Dorsch“ oder auch „der Wassergeist“ genannt wurde.

Nach Anfeindungen durch die NSDAP seit 1933, wurde der Schwebende im Jahr 1937 aus dem Güstrower Dom entfernt, zunächst in der Garage des Bischofs in Schwerin eingelagert, später für die „Wehrwirtschaft“ eingeschmolzen. In der Ausstellung „entartete Kunst“ im Jahr 1937 wurden Werke Barlachs ausgestellt, 400 seiner Werke kamen auf den Index.

Freunde Barlachs ließen 1939 heimlich in der Friedenauer Werkstatt der Eisengießerei Noack einen Zweitguss vom Werkmodell der Plastik anfertigen und versteckten ihn auf dem Hof des Malers Hugo Körtinger in der Lüneburger Heide für die Zeit des 2. Weltkriegs.

Nach dem Krieg war Deutschland geteilt in Ost und West. Körtinger bot den Engel zum Kauf an. Eine Spendenaktion ermöglichte es der Kölner Antoniter-Gemeinde ihn zu erwerben. Seit 1952 hängt er in der Antoniterkirche an einem ähnlichen Ort und in ähnlicher Funktion wie ursprünglich in Güstrow. Allerdings erinnert er dort an die Toten beider Weltkriege.

Ein von der Kölner Plastik abgenommener weiterer Guss wurde 1953 der Domgemeinde in Güstrow als Geschenk der Evangelischen Gemeinde Köln übergeben, wo er seither wieder am ursprünglichen Ort zu sehen ist.

Diese Geschichte ist in Barlachs Roman „Sansibar oder der letzte Grund“ insofern aufgenommen, als die Figur des „lesenden Klosterschülers“ ebenfalls aus der Kirche geholt werden soll und in Gefahr steht, als „entartete Kunst“ zerstört zu werden. Andersch erzählt freilich eine andere Rettungsgeschichte.

Links:

„Der Schwebende“ – Seite der Domgemeinde in Güstrow

„Der Schwebende“ auf Wikipedia

„Der Schwebende“ – Seite der Antoniterkirchengemeinde in Köln

Zum „Klosterschüler“: Der lesende Klosterschüler als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit in einer Zeit der Bedrohung. Facharbeit im Fach Deutsch aus der Schweiz – gutes Beispiel für eine gelungene Facharbeit!

Wird fortgesetzt.

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